Die Leere im östlichen Denken

·2 Min.
BuddhismusTaoismusLeereSunyataWu

Die Leere im östlichen Denken

Während das hebräische Konzept von tohu wa-bohu das ursprüngliche Chaos beschreibt, haben östliche philosophische Traditionen ihre eigenen tiefgreifenden Verständnisse von Leere und Formlosigkeit entwickelt.

Sunyata: Buddhistische Leerheit

In der buddhistischen Philosophie bezieht sich Sunyata (Leerheit) nicht auf bloße Nichtigkeit, sondern auf die Abwesenheit inhärenter, unabhängiger Existenz. Alle Phänomene entstehen abhängig voneinander, leer von intrinsischer Selbstnatur.

Dieses Verständnis weist eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit der formlosen Leere vor der Schöpfung auf. So wie tohu wa-bohu den Zustand vor der Differenzierung darstellt, weist Sunyata auf die letzte Natur der Realität jenseits unserer begrifflichen Unterscheidungen hin.

Wu: Taoistisches Nicht-Sein

Das Tao Te King beginnt mit den berühmten Zeilen:

"Das Tao, das sich aussprechen lässt, ist nicht das ewige Tao. Der Name, der sich nennen lässt, ist nicht der ewige Name. Das Namenlose ist der Ursprung von Himmel und Erde."

Dieser namenlose Ursprung entspricht der formlosen Leere der Genesis. Beide Traditionen weisen auf einen ursprünglichen Zustand jenseits von Sprache und Kategorisierung hin.

Das kreative Potenzial der Leere

Was diese östlichen Konzepte besonders relevant macht, ist ihre Betonung des kreativen Potenzials innerhalb der Leere. Die Leere ist keine sterile Nichtigkeit, sondern schwangere Möglichkeit.

Im Taoismus gebiert Wu (Nicht-Sein) You (Sein). Im Buddhismus ist Leerheit die Bedingung für das Entstehen aller Phänomene.